Urheberrecht und Social Media – zwei Welten prallen aufeinander

Erst vor kurzem klagte mir ein Bekannter sein Leid und erzählte, dass er EUR 8.000 Lehrgeld dafür bezahlt hat, eine Marke eines fremden Unternehmens in einem seiner Artikel erwähnt und gezeigt zu haben. Das mit Nennung der Quelle und nicht mal für sich, sondern für einen Freund. All dies half ihm nichts – unbarmherzig forderte der Gegenanwalt die Summe ein.

Dabei kennt jeder die Gefahr. Wie schnell ist ein Bild kopiert oder ein Inhalt weiter gepostet. Anwälte gehen davon aus, dass alleine die Facebook-Profile von 16jährigen Jugendlichen im Schnitt EUR 10.000 alleine an Abmahnungen wert sei.

Also – wie bewegt man sich gefahrlos auf Social Media Plattformen ohne sich „strafbar“ zu machen? Hier gibt es simple Regeln, die jedoch in der Praxis gar nicht so einfach einzuhalten sind.

 

Teilen, Sharing

 

Ich möchte ein Bild oder Inhalt teilen:

Grundsätzlich darf ich urheberrechtlich geschützte Inhalte, Bilder, Zeichnungen, Videos, Musik etc. nur dann teilen, wenn der Rechteinhaber damit einverstanden ist.

Geteilte Inhalte werden dabei zu eigenen Inhalten. Das heißt, dass man dafür rechtlich einstehen muss. Teilt man einen Inhalt, der eine Rechtsverletzung darstellt, so haftet man selbst dafür. Poste ich beispielsweise einen beleidigenden Text weiter, so hafte ich dafür. Oder binde ich einen Ausschnitt aus einem Kinofilm in meine Seite ein, so hafte ich für diese Urheberrechtsverletzung.

Aber es gibt Unterschiede, ob Inhalte kopiert, eingebettet oder verlinkt werden:

 

Posten von kopierten Inhalten

 

Teilen durch kopieren

 

Sobald man einen Inhalt (Text, Foto, Video etc.) kopiert, so gilt das als Vervielfältigung, die im Falle des Teilens auf Social Media Plattformen vom Rechteinhaber genehmigt werden muss. Das gilt auch dann, wenn die Kopie durch das Social Media Programm erstellt wird.

Wenn man also ein Foto aus dem Internet herunter und auf den eigenen Blog, der eigenen Website oder auf Facebook wieder hoch läd, ist das Foto kopiert, unerlaubt vervielfältigt und unerlaubt öffentlich zugänglich gemacht.

Das gilt streng genommen auch für Vorschaubilder, die beim Verlinken von Inhalten durch die Social Media Plattform erstellt (kopiert!) wird.

Natürlich haftet man rechtlich für den kopierten und geteilten Inhalt – selbst wenn die Quelle genannt wird. Man sich macht damit eventuelle Rechtsverletzungen zu Eigen, beispielsweise bei beleidigenden Inhalten.

Also: Beim Kopieren von Inhalten ist äußerste Vorsicht angesagt. 

 

Posten von eingebundenen (embedded) Inhalten

 

Teilen durch einbetten

 

Beim einbinden von Inhalten (z.B. durch einen Code/Link von YouTube) wird dieser von der ursprünglichen Quelle auf der eigenen Seite aufgerufen. Das ist also ein Mittelweg zwischen kopieren und verlinken.

Trotzdem behandeln die Gerichte diesen Vorgang ähnlich wie das Kopieren von Inhalten. Diese werden zwar nicht kopiert, aber unerlaubt veröffentlicht, sofern dies ohne die Genehmigung des Rechteinhabers geschieht.

Genauso gilt das für die Haftung, da bewusst fremde Inhalte übernommen werden, auch bei Nennung der Quelle.

 

Posten von verlinkten Inhalten

 

Teilen durch verlinken

 

Das ist relativ unkritisch, denn Verlinkungen sind reine Verweise auf andere Websites. Klickt man auf den Hyperlink, so gelangt man zu einer Website, auf der sich der gewünschte Inhalt befindet. Das dürfen einem nicht mal die gierigsten Abmahn-Anwälte verbieten.

Bei Verlinkungen haftet man nicht für ev. rechtsverletzende Inhalte. Es sei denn, wenn man diese ausdrücklich bestätigt (z.B. wenn man eine beleidigende Aussage durch „Bin der selben Meinung!“ kommentiert) oder wenn man nachweislich den rechtsverletzenden Inhalt kennt.

Bitte Vorsicht bei Vorschaubildern von verlinkten Inhalten, die beispielsweise durch Facebook erstellt werden. Hier lieber das Vorschaubild weg klicken, wenn es urheberrechtlich kritisch ist.

 

Weiterhin viel Spaß mit Facebook, Google+, Pinterest & Co.

Jeder von uns, der in Social Media Plattformen aktiv ist, bewegt sich beim Teilen von Inhalten häufig in einer Grauzone oder schon im Verbotenen. Teilen Sie einen Inhalt von jemanden, der das nicht möchte, dann kann er Ihnen ordentlich Stress machen, z.B. durch kostenpflichtige Abmahnungen. Diese kosten übrigens durchschnittlich ca. EUR 700.

Man kann sich auch nicht auf die Inhaber der Social Media Plattformen heraus reden. Denn diese haften erst dann, wenn Sie von Rechtsverstößen wissen. Und das ist beispielsweise bei Facebook mit über 900 Millionen Nutzern nicht so einfach möglich.

Am besten teilen Sie nur Inhalte, deren Rechte Sie besitzen oder von denen Sie annehmen können, dass die Urheber damit einverstanden wären – z.B. durch die angebotenen Sharing-Möglichkeiten wie bei diesem Artikel.

 

Ergänzend dazu habe ich am 25. Juni 2012 einen interessanten Artikel auf der Internetpräsenz der Gründerszene gefunden, auf den ich gerne – rechtlich einwandfrei 😉 – verlinke: Urheber- und Persönlichkeitsrecht: Vorsicht bei der Einbindung fremder Inhalte

 

RAIFELEISTUNG ist keine Rechtsberatung

Nur der Vollständigkeit halber: Ich bin kein Jurist und habe diesen Artikel durch eigene Recherche erstellt. Mir scheint das so plausibel, aber ich möchte nicht behaupten, dass dies alles hundertprozentig stimmt. Deshalb fragen Sie bitte in kritischen Situationen lieber einen Anwalt.

Danke an dieser stelle auch an Thomas Schwenke von der Kanzlei SCHWENKE & DRAMBURG aus Berlin. Diese Kanzlei kennt sich gut aus im Bereich Recht & Social Media. Ich habe bei meiner Nebenher-Ausbildung zum Social Media Manager ein ganzes Studienheft von seinem Kollegen Sebastian Dramburg durchgeackert.

 

 

raifeleistung

Ist RAIFELEISTUNG nur ein Wortspiel? Ganz bestimmt nicht, denn alle Kunden von Stephan Raif dürfen eine wahrlich reife Leistung erwarten. Sie bekommen neben viel Erfahrung aus über 20 Jahren im Job, profundem Marketing- und Social Media Know-how noch eine ganze Menge Engagement, Begeisterung und Herzblut frei Haus.

3 Kommentare zu “Urheberrecht und Social Media – zwei Welten prallen aufeinander

  1. Danke:-) und noch eine Frage dazu (am Ende)…
    Wirklich ein sehr schöner Artikel zum Tehma, der es verständlich veranschaulicht. War gerade im Netz auf der Suche nach einer Info dazu, ob ich die häufig auf den Websitenen angebotenen Sharingbuttons (Facebook, Twitter,G+ und Co.) zum teilen von Inhalten bedenkenlos für meine Profile nutzen kann ohne Abmahnungen zu riskieren? Da ja beim Teilen durch die Plugins zwangsläufig ja immer auch ein Vorschaubild des Inhaltes auf dem eigenen Profil gepostet wird.

    Hier hat mir die klare Aussage …“Am besten teilen Sie nur Inhalte, deren Rechte Sie besitzen oder von denen Sie annehmen können, dass die Urheber damit einverstanden wären – z.B. durch die angebotenen Sharing-Möglichkeiten wie bei diesem Artikel.“ …es sehr einfach beantwortet (alles andere wäre ja irgendwie unlogisch ..erst biete ich es via Social Plugin dem User an, und dann mahne ich Ihn ab:-)

    Frage: Gilt das auch wenn ich bei teilen über die Socialbuttons diese diese öffentlich teilen möchte? (fals bekannt? Bist ja auch kein Jurist:-) …

    Danke und weiterhin viel Erfolg…

    1. Hallo Carlos,

      vielen Dank für Deinen Kommentar und Deine Frage – und sorry für die Sendepause. Ich war die letzten Tage im Kundenauftrag verreist und hatte viel zu tun.

      Die Sharing-Buttons kannst Du natürlich nutzen. Völlig unkritisch sind die kleinen Buttons, also das blaue „f“ von Facebook oder das grüne „X“ von XING etc. Diese Pictos sind ja schon in zahlreichen CMS fest installiert und natürlich liegt das voll im Interesse der Social Media Plattformen.

      Aber, wie Du ja schon richtig geschrieben hast, bin ich ja kein Jurist 😉

      Herzliche Grüße und bleib´ meinem Blog gewogen

      Stephan

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Der kleine Intelligeztest von RAIFELEISTUNG ;-) * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.