Facebook weiß, was ich gut finde. Oder etwa nicht?

Falls Sie diesen Artikel über Facebook gefunden haben, dann hatten Sie Glück. Denn dann hat Facebook für Sie entschieden, dass er für Sie interessant ist. Diese Arbeit erledigt ein Algorithmus der blauen Social Media Plattform, der angeblich so kompliziert ist, dass man ihn kaum erklären kann. Der Facebook Marketing-Direktor Brian Boland sagte dazu “There are pieces of content you create that are interesting, and there’s some that are not”. Uff, danke Facebook. Gut, dass ich das selbst nicht entscheiden muss, denn ich hätte ein echtes Problem. Eigentlich finde ich nämlich alles, was meine Freunde posten, interessant. Meistens jedenfalls.

Wie immer, wenn Facebook (meist still und heimlich) etwas verändert, jubelt die Gemeinde. Die Social Media Spezialisten vertreten die Änderung, als sei sie ihre eigene Idee gewesen. Und viele Blogs erklären uns die Vorteile, die ein solcher Algorithmus mit sich bringt. Einen Aufschrei gibt es selten. Auch jetzt nicht.

Aber ehrlich, ich bin nicht begeistert. Denn es sollte nur eine Person geben, die entscheidet, was für sie interessant ist, nämlich sie selbst. Was würden Sie denn sagen, wenn Sie bei Spiegel Online plötzlich nur zehn anstelle der (gefühlt) hundert Artikel zu lesen bekämen? Oder wenn Sie im Deutschen Museum nur die Abteilungen Geodäsie, Mathematik und Textiltechnik sehen dürften, Sie aber lieber das Berkwerk besichtigen wollten? Oder wenn Sie am Ende einer Liebesschmonzette nicht sehen könnten, ob und wie sich die beiden endlich kriegen, weil für Sie entschieden wurde, dass dies nicht relevant ist? Genau. Das fänden Sie auch nicht mehr lustig.

So ganz nebenbei und von den meisten unbemerkt beginnt Facebook einmal mehr, Meinungen zu bilden. Wenn jemand nach was-weiß-ich für einen Algorithmus entscheidet, was ich lesen darf und was nicht, dann bestimmt er natürlich, wie ich informiert werde. Im Endeffekt kann das ganz schön gefährlich werden. Denn wer sagt denn, dass man die Meinungsbildung bei Facebook nicht irgendwann einmal kaufen kann? Vielleicht hat die eine oder andere Firma Interesse daran oder möglicherweise sogar eine politische Partei?

Facebook beeinflusst also meine Meinungsbildung und damit in gewisser Weise mein Weltbild. Genauso übrigens wie Google. Denn die haben auch einen Algorithmus nach dem die Software auswählt, was ich an Treffer angezeigt bekomme (die sich zum Teil sehr von denen bei Yahoo und anderen unterscheiden).

Quo vadis Facebook? Ich weiß es nicht. Aber obwohl ich mich häufig und gerne im Netzwerk aufhalte, werde ich doch immer kritischer. Ja, Facebook ist die größte Community. Und ja, Facebook ist immer noch Tagesgespräch. Ja, Facebook gehört zu Social Media wie der Händlmaier-Senf zur Weißwurscht. Aber  gerade wir, die wir uns intensiver mit dem Netzwerk beschäftigen, sollten auf der Hut sein und eben nicht alles gut finden, was Marc Zuckerberg mit seinen Kollegen ausheckt. In diesem Sinne – kritisch sein „gefällt mir“.

 Einen guten Artikel zu diesem Thema las ich in Christian Buggischs Blog. Vielen Dank dafür.

 

 

raifeleistung

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4 Kommentare zu “Facebook weiß, was ich gut finde. Oder etwa nicht?

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