On the road: Als Business-Reisender per Fernbus von Frankfurt nach München

Stephan Raif FernbusGestern hat mich der Bahn-Streik kalt erwischt. Ich war in Frankfurt und saß bei meinem Kunden DB Regio im Marketing und konnte live miterleben, was passiert, wenn die GDL den gefühlten Rest der DB AG beschäftigt.

Um gleich mal mit ein paar Mythen aufzuräumen: Nein, die Bahn als solche wurde zwar nicht wirklich überrascht vom Streik, aber hat das auch erst ein paar Minuten vorher erfahren (bevor es beispielsweise in Spiegel Online stand). Und nein, „die“ freuen sich nicht darüber, liegen keinesfalls auf der faulen Haut und bezahlen ihre Leute auch nicht so schlecht, wie einem permanent suggestiert wird. Bei meinen Ansprechpartnern (DB Regio und DB Fernverkehr) gab es nur wenig Verständnis für den Streik. Aber ok, ist ja gutes Recht in Deutschland.

Einer meiner Aufgaben bei der DB Regio ist die Administration eines internen Marketing-Blogs. Ich unterstütze das Redaktionsteam nach Kräften und schreibe mit. Zum Beispiel über Fernbusse – deshalb entschied ich mich heute für einen Selbstversuch.

Die Fernbusse erkämpfen sich derzeit mit aller Gewalt den Markteintritt mit Billig-Preisen und zum Teil auch mit Komfort-Features. Wie gut das klappt, kann ich nicht beurteilen, aber ich bin sicher, es wird noch ein Shake-out geben. Viele Fernbus-Anbieter werden sich wegen Unrentabilität wieder verabschieden (was ja schon geschehen ist). Die Anbieter, die das überleben, werden sicher an ihren Preisen drehen müssen.

RAIFELEISTUNG FernbusDer Preis ist das entscheidende Kriterium für die meisten Fahrgäste. Und ehrlich – der ist bestechend. Die Strecke Frankfurt – München bekommt man bei „MeinFernbus.de“ schon ab 12 Euro. Die Kehrseite der Medaille ist die mit Sicherheit fehlende Markentreue der Fahrgäste. Ist ein anderer Anbieter um einen Euro günstiger, wird gewechselt.

Ich habe mich wegen für mich günstiger Abfahrtszeiten für den ADAC-Postbus entschieden… und sitze im Moment des Verfassens dieses Artikels im Bus. Diese Fahrt kostet regulär EUR 21, wobei mir von vorn herein ein 20%-tiger Rabatt eingeräumt wurde. Vermutlich, weil ich (zufällig) über eine Fernbus-Suchmaschine nach der richtigen Verbindung gesucht habe.

Der ADAC-Postbus gehört scheinbar zu den komfortableren Anbietern: großer Sitzabstand zum Vordermann, freies (und gut funktionierendes!) WLAN, Kaffeeautomat, Bistro, Toilette etc. … alles an Bord. Außerdem eine eigene Mediathek von der man Videos streamen, Radio hören, Infos lesen kann.

Sitzkomfort, Platzangebot, Bistro und Toilette gibt es in den meisten Regio- und vor allem Fernverkehrszügen auch. Allerdings vermisse ich (als Nicht-Telekom-Kunde) ein freies WLAN-Angebot im Zug. Das würde meine Zugfahrten noch viel angenehmer und sinnvoller machen. Angeblich wird das zumindest in den ICEs nächstes Jahr auch umgesetzt: freies WLAN in der 1. Klasse. Ab 2016 dann auch in der 2. Klasse. Bin gespannt.

2014-10-16 12.27.41-1Aber natürlich gibt es auch gehörige Nachteile dieser Art zu reisen. Der größte ist der Zeitbedarf mit dem Bus. Natürlich ist dieser stark abhängig von der Verkehrslage auf den Autobahnen. Ich habe es heute wieder voll getroffen und sitze bereits eine Stunde im Stau (Lastwagen umgekippt und ziemlich stark verbogen – der arme Fahrer!). Das verlängert die sowieso schon lange Fahrt gehörig. Mitgefangen, mitgehangen.

Zum Zeitvergleich: Strecke Frankfurt – München (regulär), Abfahrtszeit zwischen 9 – 10 Uhr morgens

  • MeinFernbus.de: 5 Std. 40 Min. (12 EUR)
  • ADAC-Postbus: 4 Std. 55 Min. (21 EUR)
  • DB Fernverkehr: 3 Std. 27 Min. (89 EUR Sparpreis, 101 EUR Normalpreis)
  • Eigenes Auto: 4 Std. 19 Min. lt. Google Maps (412 km * 0,27 für einen Kleinwagen Peugeot 108 = 111,24 EUR)

Mal abgesehen von der wesentlich längeren Fahrtzeit ist man im Bus natürlich ganz anderen Schwingungen ausgesetzt als bei der Bahn. Es hoppelt und schuckelt, man wird hin- und hergerissen bei Kurvenfahrten usw. Alles erträglich, aber erschwerte Bedingungen, wenn man arbeiten möchte.

Mein Fazit:

Das Reisen mit dem Fernbus ist komfortabel und bequem, kostet im Vergleich zur Bahn und zum eigenen Auto nur ein Bruchteil des Fahrpreises, aber man braucht viel Zeit und Geduld. Für Business-Reisende nur in Notfällen geeignet. Für Rentner, Jugendliche und alle anderen ohne Zeitdruck eine Alternative.

Was mich angeht werde ich sicher kein Stammkunde. Mir dauert´s zu lange und Busfahren war sowieso noch nie eine meiner Lieblingsbeschäftigungen. Aber eine Erfahrung war´s wert.

RAIFELEISTUNG ADAC Postbus

Nachtrag:

Wie schon gesagt. War eine Erfahrung wert. Ich hatte heute wohl auch Pech. Erst kam der Bus eine halbe Stunde zu spät (geschenkt!). Dann aber der große Stau auf der Autobahn mit dem furchtbaren LKW-Unfall. Dadurch haben wir uns stark verspätet und sind … natürlich … in den Münchner Berufsverkehr geraten. So waren wir von 9.35 Uhr bis ca. 17.30 Uhr unterwegs. Das zeigt dann auch gleich die Schwachstelle der Fernbusse auf, wie oben bereits aufgeführt. Man kann den Verkehr nicht kalkulieren. So habe ich jetzt das Gefühl: nie mehr wieder. Aber es ist wohl so wie immer – in ein paar Tagen erinnere ich mich vielleicht daran, wie ich diesen Blogbericht aus dem fahrenden Bus raus ins World Wide Web geladen habe. 

 

raifeleistung

Ist RAIFELEISTUNG nur ein Wortspiel? Ganz bestimmt nicht, denn alle Kunden von Stephan Raif dürfen eine wahrlich reife Leistung erwarten. Sie bekommen neben viel Erfahrung aus über 20 Jahren im Job, profundem Marketing- und Social Media Know-how noch eine ganze Menge Engagement, Begeisterung und Herzblut frei Haus.

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